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Der Friedenssaal in Münster

Friedenssaal Münster

Foto: Presseamt Münster / MünsterView

Der Friedenssaal in Münster erlangte im Zuge des Westfälischen Friedens weltgeschichtliche Geltung. Teile des Westfälischen Friedens wurden in Münster verhandelt und zum Abschluss gebracht, womit der Dreißigjährige Krieg 1648 schließlich sein Ende fand. Die Abgesandten der verschiedenen am Krieg beteiligten Parteien verhandelten zudem in Osnabrück.

Zugleich ist der Friedenssaal auch der Geburtsort der modernen Niederlande, da mit dem Frieden von Münster während des Kongresses am 15. Mai 1648 auch der Achtzigjährige, Spanisch-Niederländisch, Krieg beendet wurde und dadurch die Niederlande ihre Unabhängigkeit erlangte. Die Bezeichnung Friedenssaal geht auf diesen Friedensschluss zwischen dem katholischen Spanien und den reformierten niederländischen Territorien zurück, und ist seit dem 18. Jahrhundert geläufig.

Seit April 2015 tragen die Rathäuser von Münster und Osnabrück zudem das Europäische Kulturerbe-Siegel, das von der Europäischen Kommission verliehen wird. Im Rahmen einer Stadtführung von k3 stadtführungen können Sie den Friedenssaal besuchen und unsere Gästeführer werden Sie dann durch den Saal begleiten und die Geschichte und die Einrichtung näher erläutern.

 

Der Friedenssaal: Ratskammer und Gerichtsstätte

Der Saal befindet sich im historischen Rathaus direkt am Prinzipalmarkt einer weiteren Sehenswürdigkeit im Herzen Münsters. Der Ursprungsbau des Rathauses stammt bereits aus dem 12. Jahrhundert. Um die Mitte des 14. Jahrhundert wurde, um das Selbstbewusstsein der Bürgerschaft gegenüber den bischöflichen Landesherren zu demonstrieren, eine prachtvolle Fassade angebracht.

Bevor der Saal durch den Westfälischen Frieden große Bedeutung erlangte, war er Ratskammer und Gerichtsstätte. Davon zeugt noch heute die Gerichtsschranke vor dem Kamin. Aufgrund seiner historischen Bedeutung, nicht nur für Münster und Deutschland, sondern auch für Europa, wurde der Saal seit 1648 nicht mehr verändert. Der Zweite Weltkrieg führte zwar auch in Münster zu einer fast vollständigen Zerstörung der Altstadt, doch der originalgetreue Wiederaufbau ermöglicht es bis heute, dass der Saal in seiner historischen, über 400 Jahre alten, Gestalt besichtigt werden kann.

 

Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau

Etwa 70 Prozent der Stadt Münster fielen den Bomben des Zweiten Weltkrieges zum Opfer. Die Altstadt traf es besonders schwer, über 90 Prozent wurde zerstört. Private Initiativen, schwierige Verhandlungen und knappe Entscheidungen innerhalb der Stadtverwaltung führten schlussendlich zum Wiederaufbau großer Teile der Altstadt und des Rathauses mit Friedenssaal.

1948 wurde zum 300-jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens beschlossen, den Friedenssaal wieder aufzubauen. Der Wiederaufbau verzögerte sich aber aufgrund knapper Stadtkassen. Die Stadt Münster hatte nicht das Geld den Wiederaufbau zu finanzieren, Schulen und andere soziale Einrichtungen hatten Vorrang. Das nötige Geld wurde im Rahmen einer Initiative der Münsteraner Kaufmannschaft aufgebracht, die eine private Spendensammlung initiierte. Durch das gesammelte Geld konnte zunächst der Friedenssaal wieder aufgebaut werden, die gesamten Aufbauarbeiten dauerten bis in die späten 50er Jahre.

Bis heute ist es möglich die originale Ausstattung des Friedenssaals zu besichtigen. Zum Schutz vor Zerstörungen wurde bereits während des Krieges die Ausstattung in das Schloss Wöbbel ausgelagert. Gerne führen Sie unsere Gästeführer in den Saal und erläutern Ihnen die Ausstattung und Gegenstände. Alle anderen Räume des Rathauses wurden modernisiert und werden bis zum heutigen Tag von der Stadt genutzt. Durch den Wiederaufbau in historischer Gestalt zählt Münster heute zu den beeindruckenden Beispielen historischer Innenstädte, die Sie bei uns im Rahmen einer Stadtführung kennenlernen können.

 

Innenausstattung im Friedenssaal:

Die Renaissancevertäfelungen

Die Täfelungen aus Holz im Stile der Renaissance sind an allen vier Wänden angebracht und stammen aus dem Jahr 1577. Sie wurden vom berühmten westfälischen Maler Hermann tom Ring angefertigt, dessen Werke zahlreiche Kirchen in der Stadt zieren. In das Holz sind unter anderem Patrone der katholischen Kirche geschnitzt, Sankt Martin zu Pferd, Maria Magdalena mit Salbbüchse, aber auch wichtige Heilige, wie Liudger und Lambertus, die ihre eigenen ihnen geweihten Kirchen in Münster haben. Die Vertäfelungen oberhalb der Sitzplätze entlang der Wand zeigen beispielsweise Bildnisse von Jesus Christus, den zwölf Aposteln und Paulus, dem Namenspatron des St.-Paulus-Doms in Münster. Nach und nach wurden die Vertäfelungen ergänzt und weitere Bilder angebracht.

Auch die Türen der Schränke sind mit Figuren verziert. Die figürlichen Schnitzereien bilden Szenen aus dem Alten Testament ab, Patrone der Altstadtkirchen, sinnbildliche Darstellungen oder auch Fabelwesen. Die Nordwand wird maßgeblich durch eine große Schrankwand dominiert. Vor der Schrankwand befinden sich ein Richtertisch und die Bürgermeisterbank, auf der die beiden Bürgermeister, also der Stadtsyndikus und der Stadtschreiber saßen.

Daneben können Sie auch sinnbildliche Darstellungen menschlicher Schwächen sehen, zum Beispiel ein trinkender, taumelnder Mann (Trunksucht), zwei um einen Kopf kämpfende kopflose Männer (Streitsucht) oder auch Landsknecht mit abgebrochener Hellebarde, der auf einen Dudelsack spielenden Narren zugeht (Dummheit). Der Friedenssaal hält noch weitere Darstellungen parat, lassen Sie sich während unserer Führungen die Einzigartigkeit dieses historisch erhaltenen Ortes vor Augen führen, in dem europäische Geschichte geschrieben wurde.

 

Gesandtenbildnisse

Im Jahre 1649 erwarb der Rat eine Porträtgalerie mit den Gesandtenbildnissen der Beteiligten an den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden. An der Innenwand über der Vertäfelung sowie an der Kaminwand können Sie diese Porträts der wichtigsten Gesandten betrachten, die zwischen 1644 und 1648 in Münster über das Ende des Dreißigjährigen Krieges verhandelten.

Die insgesamt 37 Portraits zeigen neben den Gesandten auch Herrscher, wie Kaiser Ferdinand III., und den Stadtkommandanten Johann von Reumont, der für die Sicherheit der Kongressteilnehmer verantwortlich war. Die Portraits sind nummeriert, ein Umstand, der erst im Zuge der Restaurationstätigkeiten 1998 zum 350-jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens entdeckt wurde, so dass die Bilder heute wieder in der ursprünglich vorgesehenen Reihenfolge aufgehängt sind.

Impression vom Friedenssaal

Prunkkamin und Gerichtsschranke

An der Südwand befindet sich ein imposanter Kamin, der den ursprünglichen im Krieg zerstörten ersetzte. Ein zentraler Bestandteil dieses Kamins ist eine gusseiserne Ofenplatte, die ein Kissen mit einem Zepter zeigt. Zentral sind drei Tauben mit einem Ölzweig, die noch einmal die große Bedeutung dieses Raumes verdeutlichen und damit an den Westfälischen Frieden und allgemein die Bedeutung von Frieden betonen.

Die Inschrift lautet dann auch folgerichtig: „Anno 1648. Pax optima rerum, 24. Oct.“, was mit „Der Friede ist das höchste Gut, 24. Oktober 1648“ übersetzt werden kann. Lassen Sie sich während unserer Führungen mehr vom Westfälischen Frieden erzählen und wie er bis heute die Friedensbemühungen der Stadt Münster bestimmt.

Auch heute noch zu besichtigen ist die Gerichtsschranke, die von der Zeit kündigt, in der der Saal auch als Gerichtsstätte diente. Die Schranke steht heute vor dem Kamin. Sie trennte die Richter und Beisitzer von den Gerichtsparteien und Zuschauern. Zur Ermahnung der Richter an ihre Unparteilichkeit hängt oberhalb der Schranke unter der Decke eine Tafel mit den Worten: „Audiatur et altera pars – Men hoere beide Parte.

Informationen zum Friedenssaal

  • Der Eintritt kostet 2,50 € bzw. 2,00 €
  • Für Gruppen ab 10 Personen beträgt der Eintrittspreis 2,00 EUR pro Person.
  • Die Dauer der Führung beträgt 15 Minuten.

Friedenssaal im Historischen Rathaus
Prinzipalmarkt 10

Öffnungszeiten:

Di.-Fr. 10.00-17.00 Uhr,

Sa., So. u. Feiertage 10.00-16.00 Uhr

Stadtführung

24. November | 16:00 - 17:30

Stadtführung

25. November | 11:00 - 12:30

Der Pantoffel

Drei besondere Gegenstände befinden sich im Friedenssaal, deren Bedeutung und Herkunft bis heute nicht ganz geklärt werden kann. Es handelt sich dabei unter anderem um einen Pantoffel aus den Jahren zwischen 1620 und 1640. Die ursprüngliche Legende besagte, dass es ein Schuh von Elisabeth Wandscherer sei, einer der 17 Frauen des Jan van Leiden, dem „König“ der Täufer. Während der Täuferherrschaft in Münster wurde die Polygamie, die Vielweiberei, ausgerufen und ausgelebt. Jan van Leiden soll seine Frau eigenhändig geköpft haben, nachdem sie ihn verlassen wollte. Die neuere Forschung legt aber die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Schuh um einen Pantoffel von Anne von Bourbon handelt, die ihren Mann zu den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden begleitete.
Goldener Hahn im Friedenssaal Münster

Der Goldene Hahn

Der Entstehungszeitraum kann auf die Jahre zwischen 1600 und 1621 eingegrenzt werden, zwei Markierungen eines Goldschmiedes zeigen unverkennbar die Herkunft aus Nürnberg. Heute wird er bei feierlichen Anlässen zum Trinken genutzt. Ehrengäste der Stadt trinken aus dem Pokal, der Kopf ist abnehmbar und ein ganze Flasche Wein passt hinein, um sie willkommen zu heißen. Der Legende nach wurde der Pokal von einem münsterschen Ratsherren gestiftet, nachdem der letzte Hahn der Stadt dem Schlachter entwischte und auf die Stadtmauern sprang. Die Belagerer um Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen dachten daher, dass es noch genügend Essensvorräte in der Stadt gäbe und brachen die Belagerung ab.

Die abgeschlagene Hand

Nur noch Überreste sind vom dritten Gegenstand übrig. Es handelt sich um eine abgeschlagene Hand, die auf einer Eichenkiste ruht. Keiner kann heute mehr genau sagen, woher sie stammt oder warum sie dort genau deponiert wurde. Die Legende sagt, es sei die Hand des Urkundenfälschers Küster Brand zu Löhningen, dem man die Hand abschlug und sie zur Abschreckung aufgebahrt ließ. Im heutigen Friedenssaal wurden früher auch Gerichte abgehalten. Eine Vermutung aus neuer Zeit ist die, dass es sich bei der Hand um eine Ermahnung gegen Falschaussagen und Meineide handelte.